1.) Chiptuning ist eine verlockend einfache Möglichkeit, um seinem Fahrzeug mehr Fahrdynamik = mehr Leistung zu verschaffen. Speziell moderne Turbodiesel-Triebwerke bieten Tuningpotenzial, das weit über dem früherer Aggregate liegt. In wenigen Minuten wird rein über die Elektronik und ohne den Austausch oder die Bearbeitung von Motorenteilen eine Leistungssteigerungen von 20% oder mehr erreicht. Das klingt alles sehr gut? Nun, es ist in der Tat eine wirklich interessante Möglichkeit um im Auto eine Mehrleistung zu realisieren. Nur gibt es dazu auch einige Punkte, die lieber verschwiegen oder ignoriert werden und genau auf diese (eher unschönen) Einzelheiten wollen hier auf diesen Seiten eingehen. Beim KFZ Chiptuning werden Reserven von Motor, Kupplung und Getriebe, welche der Hersteller immer mit einplant, mehr oder weniger schnell aufgebraucht, im Einzelfall auch teilweise stark überschritten! Wir betrachten dabei anhand von VW-Dieselmotoren wie sich das Tuning auf den Motor auswirkt.
2.) Die auf dem Markt erhältlichen Tuningboxen/Powerboxen erhöhen generell nur die Einspritzmenge. Der Spritzbeginn, sowie der Ladedruck bleiben aber unverändert (Ausnahme: eine eventuelle Druckanhebung durch Verstimmung der Regelschleife). Dabei werden bei steigender Wirkung sehr schnell kritische Bereiche betreten, die hohe Abgastemperaturen und starke Rußentwicklung mit sich bringen. Das Motorsteuergerät merkt von der Mehrleistung allerdings nichts, weil es immer noch davon ausgeht, es würde die normale Dieselmenge einspritzen. Ein Nebeneffekt ist beispielsweise eine verringerte Durchschnittsverbrauchsanzeige gegenüber der Nachtankmenge, oder auch eine niedrigere Momentanverbrauchsanzeige. Zusätzlich kann der Motor-Notlauf außer Kraft gesetzt, oder zumindest zum Teil reduziert werden.
3.) Die meisten Chiptuner erhöhen ganz einfach den Ladedruck deutlich, um auch das letzte PS aus dem Motor zu quetschen. Diese erhöhten Ladedrücke erfordern aber wiederum einen übermäßigen Leistungsbedarf des Laders, um die zusätzliche Luft durch die Engstellen des Verdichters zu quetschen. Eine höhere Leistung für den Lader lässt sich aber nur über einen höheren Abgasgegendruck gewinnen. Diese Ladedruckerhöhung kann man sich wie eine Verstopfung vorstellen, die sich mit der angestrebten Mehrleistung des Motors nicht gerade leistungssteigernd verbindet.
4.) Gleich zu Beginn ein Hinweis: höhere Belastungen treten IMMER auf. Da kann der Tuner argumentieren wie er will. Soll eine Leistung erzielt werden, die höher als die Werksangabe ist, bedeutet das auch eine höhere Beanspruchung der mechanischen Teile. Die Lebensdauer der betreffenden Teile verringert sich sobald die Mehrleistung abgerufen wird. Man sollte nicht so blauäugig sein und glauben, daß ein elektronisch getunter Motor noch ebenso dauervollgasfest ist wie der Serienmotor.
